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Wenn aus einem Erlebnis ein Trauma wird

Fortbildung im Rahmen der Präventionsarbeit an der BBS Technik
Von Christa Anneken

Immer mehr junge Menschen geben Anzeichen für nicht verarbeitete Erlebnisse. Dies ist nicht nur bei Menschen mit Migrationshintergrund durch Fluchterlebnisse von Bedeutung, sondern generell zu beobachten. Auffällige oder auch weniger auffällige Schülerinnen und Schüler geben Anlass zu einem Fachinformationsgespräch für Lehrerinnen und Lehrer, wie es jetzt an den Berufsbildenden Schulen stattgefunden hat.

2018 04 25 TraumapraeventionFachlehrkraft und Präventionsbeauftragter der BBS Technik Holger Bruns organisierte in Kooperation mit Sandra Zerhusen die Fachberatung durch „Wildwasser Oldenburg e.V.“ Der Referentin Kerstin Koletschka gelang es, mit der außergewöhnlichen Art einer anschaulichen Demonstration mit einfachen Gegenständen, sehr authentisch die Emotionen von Betroffenen darzustellen. Hervorzuheben ist eine „Eidechse“ aus Stoff, die dazu dient, symbolisch aufzuzeigen, dass die „Antenne“ des Betroffenen soeben etwas wahrgenommen hat, das Gefahr in sich birgt.
Wichtig ist außerdem, woran man einen traumatisierten Menschen überhaupt erkennen kann, was mögliche Ursachen sein können und was man tun kann. Als Außenstehender sollte man immer im Fokus haben, dass es immer „gute Gründe für ungutes Verhalten“ Betroffener gibt, so Koletschka. Sexuelle Gewalt, körperliche Gewalt, Verlust durch Tod, Flucht etc. sind nur einige Erlebnisse, die Traumata auslösen können und das Leben des Menschen nachhaltig negativ beeinflussen. Als reiner Schutzmechanismus fungiert der menschliche Körper, indem er ihn z. B. in eine Art Schockzustand versetzt, sobald ein gewisser Reiz auf die Person ausgelöst wird. Dies können bestimmte Gerüche, gewisse Geräusche, ein besonderer Geschmack, Farben usw. sein, wenn der Traumatisierte plötzlich sein Verhalten ändert und nicht selten paradox wirkt. Kognitiv ist Vieles dann nicht steuerbar. „Warum“- Fragen sind dann ungünstig. Besser ist es in dieser Situation, den Betroffenen zu sagen, dass er bestimmt gute Gründe hat, wenn er sich beispielsweise ritzt.
„Du bist nicht verrückt! Was du erlebt hast, ist verrückt! Vor diesem Hintergrund ist der Umgang mit ihnen besonders rücksichtsvoll zu gestalten. Entscheidend ist dann das Gefühl von Sicherheit, das der/die Betroffene erfahren sollte. Ein kleiner „Kraftlöwe“ aus Plüsch, Leuchtsterne für die Nacht, ein Fingermassagering sowie Kraftsteine sind nur einige von vielen Elementen, die genau diese Sicherheit geben können und den Betroffenen ins Hier und Jetzt zurückholen und ihn gleichzeitig stärken.
Neben den symbolträchtigen Elementen und einer ausführlichen Bücher– und Materialliste werden den Teilnehmern des Seminars Stabilisierungshilfen für Traumatisierte an die Hand gegeben. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass ihnen das kurzweilige Seminar neben Erkenntnissen und Verständnis auch viel Sicherheit im Umgang mit Betroffenen auf den Weg gegeben hat.